Betroffen sein

Laut Information der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) erleben bis zu 15 % aller Jungen und Mädchen in ihrer Kindheit, dass Mutter oder Vater an Krebs oder an einer anderen schweren Krankheit, die das Leben bedroht, erkranken. Sie sehen und hören Dinge, die sie noch nicht verarbeiten können, erleben Krankheitssymptome und Nebenwirkungen der Therapien hautnah mit und bemerken erschrocken die Reaktion der Eltern und Angehörigen.

Für Kinder und Jugendliche ist dieses eine in vielerlei Hinsicht belastende und verunsichernde Erfahrung. Meist entwickeln sie starke Schuldgefühle und sind in großer Sorge um die Familie. Jedes Kind reagiert anders auf solche Belastungen.

Eine den Nöten angemessene Beachtung finden die Kinder in den seltensten Fällen. Im Zentrum des familiären Alltags steht verständlicherweise die elterliche Erkrankung – die Kinder treten mit ihren vielfältigen Bedürfnissen in den Hintergrund.

Viele Kinder nehmen in der akuten Krankheitsphase oft scheinbar vernünftige, nicht altersgemäße Verhaltensweisen an, so dass ihr Leidensdruck nicht bemerkt wird.

Posttraumatische Störungen treten häufig erst sehr viel später auf, wenn ein unmittelbarer Zusammen-hang zur auslösenden Situation nicht mehr hergestellt werden kann.

Hilfe für Kinder und Jugendliche

Der Besuch einer angeleiteten Gruppe kann Kinder und Jugendliche in solch einer Situation entlasten und ihnen helfen, die außergewöhnliche Situation altersgerecht zu bewältigen.

In der häufig von Angst, Sprachlosigkeit, Sorge und Ungewissheit geprägten Familiensituation bieten die Gruppen Raum für spielerische, entspannte Aktivitäten bieten, die das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und Kraft und Zuversicht schöpfen lassen.

Kinder von 6 bis 10 Jahren und Jugendliche von 11 bis 15 Jahren können dort ...

· offen und altersgemäß über Erkrankung des
Angehörigen zu sprechen.

· die damit verbundenen Ängste
und Sorgen zuzulassen und aus-zudrücken.

· Gemeinschaft mit anderen Kindern in ähnlicher
Situation zu erleben.

· neue Möglichkeiten der Bewältigung dieser
besonderen Situation zu erleben.

Für Jugendliche ab 15 Jahren bieten wir Einzelgespräche an, die sie dabei unterstützen, ihren eigenen Weg der Verarbeitung zu finden.


Buchempfehlungen


Für Kinder bis 12 Jahre:"Sohn der blauen Pferde", Bill Martin & John Archambault, Franckh Kosmos, 1996
Der alte Indianer erzählt seinem Enkel das Geschehen des Lebens.

"Hat Opa einen Anzug an?", Amelie Fried, Hanser Verlag, 1997
Nach Opas Tod sind die Erwachsenen auf einmal so merkwürdig. Sie weinen, tragen dunkle Anzüge und jeder sagt etwas anderes.

"Der Drache mit den roten Augen", Astrid Lindgren, Verlag Oetinger, 1989
Ist so ganz anders als die anderen Tiere auf dem Hof.

"Im Land der Dämmerung", Astrid Lindgren, Verlag Oetinger, 1995
Dorthin entschwinden die Kinder in ihrer Phantasie, wenn der Alltag zu mühevoll wird.

"Da war es auf einmal so still", Linde von Keyserlingk, Herder Verlag, 2001
Viele Geschichten vom Tod und Abschiednehmen

"Tina und der Teddybär", Birgitta Hogger, Book on Demand, 2000
Mutter erkrankt an Hirntumor

"Indianerjunge kleiner Mond", Winfried Wolf, Nord-Süd Verlag, 1992
Der kleine Indianer macht sich auf die Suche nach seinen Eltern.

Für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahre:
"Jakob hinter der blauen Tür", Peter Härtling, Beltz und Geberg, 1989
Nach dem Tod des Vaters kommt Jakob mit sich und seiner Umwelt nicht mehr zurecht.

"Jenseits der Lügen", Paula Vox, Verlag Sauerländer, 1998
Aidserkrankung des Vaters, die dieser am liebsten verschweigen möchte. Vater und Sohn finden ihre gemeinsame Sprache wieder.

"Die Brüder Löwenherz", Astrid Lindgren, Verlag Oetinger, 1995
Von Tod und Krankheit der Geschwister Löwenherz

"Für Isabel war es Liebe", Mirjam Pressler, Beltz & Gelberg Verlag, 2002
Isabel liebt Daniela und sie schwärmt für den Maler Modigliani. Sie erlebt Freude und Schönheit. Aber auch Schmerz, denn ihre Mutter ist schwer krank.

"Die Fragen des Lebens", Fernando Savater, Campus-Verlag, 2000
Der Autor lädt uns ein in die Welt der Philosophie.

"Und wenn ich falle", Marie-Thérès Schins, dtv, 2001
Vom Mut, traurig zu sein

"Wenn Kevin bleibt", Harry Mazer, dtv, 1991
Kann das Leben weitergehen, wenn beide Eltern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommen?

"Starker Sohn und Schwester", Kirkpatrick Hill, Beltz und Gelberg, 1996
Tod der Mutter - die Geschwister beginnen ein neues Leben

"Lockruf", Brigitte Blobel, Unionsverlag Sansibar, 2001
Tod des Vaters, Konflikte mit der Mutter

"Solange die Zikaden schlafen", Jutta Treiber, Verlag Ueberreuther, 1998
Nach dem Tod der Mutter sucht sich der Vater eine neue Frau. Die zu mögen ist ganz schön schwer.

"Das Zeichen in meiner Hand", Kevin Henkes,dtv, 1999
Die Großmutter stirbt und hinterlässt ein riesiges Loch

"Maries Geheimnis", Torill Eide, dtv, 1997
Tod der Mutter durch Krankheit